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Rudolf Imelmann: 1920 & 1908

Forschungen zur altenglischen Poesie; Berlin; 1920

Wanderer und Seefahrer im Rahmen der altenglischen Odoaker-dichtung; Berlin; 1908

 

1920

Ich kann über mir selbst ein wahres Lied erzählen, meine Geschicke kunden, wie ich in Tagen der Trübsal oft Zeit der Not erduldete, bittren Herzenskummer erlebt habe, erfahren zu Schiff viele Orte der Qual, schreckliches Wellengebraus. Oft fasste mich da ängstliche Nachtwache an des Nachen Steven, wenn er an Klippen sich stiess. Von Kälte durchdrungen waren meine Füsse, von Frost gebunden mit kalten Klammern. Da seufzten die Sorgen heiss ums Herz. Der Hunger innen zerriss des Meermüden Sinn. Das begreift der Mann nicht, dem es auf dem Lande zum besten gedeiht, wie ich armselig die eiskalte See im Winter bewohnen musste auf Wegen des Friedlosens.

Da hörte ich nur die See rauschen, die eiskalte Woge, zuweilen des Schwanes Gesang. Mir diente zur Lust der Wildgans Lied und des Strandpfeifers Sang an Stelle des Lachens der Männer, die singende Möve an Stelle des Mettrunkes. Stürme peitschten da das Steinkliff, wo ihnen der Star Antwort gab, eisgefiedert.

Keiner von der Schutzsippe konnte das elende Herz trösten! Fürwahr, wenig glaubt bei sich, wer da das Lebens Glück besitzt, in der Rung von schlimmen Geschick wenig erlebt, stolz und weintrunken, was ich erschöpft oft auf dem Meerespfade erleben musste.

Nachtschatten (ver)düsterte, vom Norden schneite es, Reif band die Erde, Hagel fiel hernieder, der Körner Kältestes.

Doch fürwahr nun treiben des Herzens Gedanken, dass ich die hohen Ströme, der Salzwellen Gebraus allein befahre: mahnt des Sinnes Trieb immer wieder, weiterzufahren, dass ich fern von hinnen der Fremden Land Aufsuche. Die Haine stehn in Blüte, die Burgen werden schon, die Auen lieblich, alles freut sich. All diese Dingen mahnen den entschlossenen Sinn zur Fahrt. Wen es so dänkt, der entweicht weit über die Flutenwege, wenn auch der Kuckuck mit klagender Stimme mahnt, der Wächter des Sommers singt und Sorge kündet, bitter ins Herz. Das begreift der Mann nicht, der freudenreiche, was dort manche ertragen, die die Bannpfade am weitesten wandern.

Nun fürwahr zieht mein Sinn --- gegen mein Herz --- mein Gemüt mit der Meeresflut über des Wales Heimat, (durch)zieht weit zu der Erde enden. Zurück kommt zu mir, gierig und gefrässig, und ruft, der Einflieger, reizt an zum Weg des Wales das Herz, das sich nicht weigern darf.

1908

Ich kann von mir selbst

Mein Ergehn beschreiben

Stunden der Mühe

Bittren Herzenskummer

Erlitten im Kiele

Furchtbar Wegenrollen;

Angstvolle Nachtwache

Als er knirschte über Klippen.

Waren meine Füsse,

Mit kalter Fessel;

Heiss ums Herz;

Des Meermüden Sinn.

Dem es auf dem Lande,

Wie ich unglücklich

Im Winter bewohnte

..................

..................

Da hörte ich nichts

Eiskalte Woge,

Liess mir gefallen

Nahm des Wilpen Ruf

Die singende Möve

Und Stürme schlugen

Wo der Star Antwort gab;

..................

Das von den Verwandten

Das betrübte Herz

Fürwahr, das ahnt nicht,

In der Burg erlebt

Stattlich und Weinfroh,

Auf dem Wogenpfade

..................

Jetzt fürwahr treiben mich

Dass ich die Hochströme

Es treibt des Sinnes Begierde

Das Gemüt zur Fahrt,

Fremder Völker

..................

..................

Die Wälder blühen wonnig,

Die Auen glänzen,

All das mahnt

Sinn zur Reise.

Der wandert weithin

So mahnt auch der Kuckuck,

Singt des Sommers Hüter,

Bitter ins Herz.

Der begünstigte,

Die auf Bannspuren

...................

Fürwahr jetzt wandert

Über des Wales Heimat;

gierig und gefrässig

treibt über den Walweg

 

ein wahres Lied erzählen

wie ich in Drangsaltagen

oft erduldet,

erlebt habe.

Leiden viele,

oft packte mich da

bei des Nachen Steven

Vor Kälte erstarrt

vom Frost gebunden

da seufzten die Sorgen

Hunger innen zerriss

Der Mann weiss das nicht,

wohl ergeht,

die eiskalte See

auf Bannspuren.

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................

als das Rauschen der See,

zuweilen des Schwanes Sang,

des Tölpels Lied.

als Lachen der Männer,

als Mettrunk,

die Steinklippen,

................

oft ergriff mich da der Schmerz,

kein einziger

trösten konnte.

der Lebensglück geniesst,

wenig Missgeschick

wie ich trübselig oft

dulden musste.

................

des Herzens Gedanken,

der Wellen Spiel erprobe.

jegliches Mal

dass ich fern von hinnen

Wohnort suche.

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die Burgen prangen,

das Leben drängt.

den entschlossenen

Wem so zu Mut ist

über die Fluten.

mit wehmütigem Ruf,

kündet Kummer

Das weiss der Mann nicht,

was da manche erdulden,

am weitesten wandern.

..................

weithin mein Sinn

wieder kehrt zu mir

der einsame Vogel und gellt,

das Herz unweigerlich.

 

 

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