index

 

 

Ernst Sieper: 1915

Die Altenglische Elegie; Strassburg; 1915

 

go to: line 62a; click 62b to return

 

Von mir selber kann ich

Den Menschen melden

Ich elende Zeiten

Bittre Brustsorge

Erkundet im Kiel

Wilden Wogendrang.

In des Nachen Steven

Wenn an Klippen er stiess;

Meine Füsse starr,

Mit kalten Klammern;

Heiss um Herzen;

An des Meervordross'nen Mut.

Wer im Lande sich

Wie armselig ich

Des Verbannten Wege

Der Wonnen verlustig,

Behangen mit Eiszapfen,

Dort hört' ich nur

Die windkalte Woge,

Mir gedieh zur Wonne

Statt Männerlachen

Lauscht ich Seehundsrufen

Wo Stürme die Steinklippen peitschten,

Eisbefiedert;

Feuchtbeschwingt ....

 

Der den traurigen Sinn

Nicht gerne glaubt mir,

Erlebt im Lande

Verwegen und weinuppig,

Auf der Wogenstrasse

Nachtschatten nahten

Frost band die Fluren,

Eisig zur Erde.

Des Herzens Gedanken

Der Salzwogen Spiel

Gar häufig heisst mich

Auf die Flut zu fahren,

Der Auslandsvölker

Denn so mutstolz ist

Und an Gaben so reich,

Und an Taten so tapfer,

Dass auf Seemansfahrt

Was Gott mit ihm

Nicht der Harfe denkt er,

Noch an Weibeswonne,

Noch an irgend etwas,

Sehnsucht fühlt immer,

Der Baum treibt Bluten,

Die Wiesen blüh'n wonnig,

Alles mahnt ihn,

Die Ausfahrt zu wagen,

Ferne zu wandern

Auch der Kuckuck mahnt,

Es singt der Sommerwart,

Bitter dem Brusthort.

Dem glückseligen Manne,

Die auf Flüchtinglingspfaden

Drum wandert mein Wahnen

Meines Gemütes Sinnen

Durch des Wales Heimat,

Über erdengrunde,

Eifernd und gierig;

Auf den Walweg strebt;

Auf die tosende Hochflut;

Die ewigen Freuden

Des Glückes im Lande.

Dass der Erdenreichtum

......................

Den Atem rauben uns

Oder Schwertesgrimm

Die todgeweihten,

Dem edlen Heil,

Der Lebenden Lob,

Dass er wirken möge,

Und fechten hier,

Mit tapferen Taten

Dass ihn die Kinder der Menschen

Und die Engel allzeit

Wenn sein Erbteil einst

Im heitern Himmel! ---

Der Übermut all

Nicht Könige gibt es,

Noch Goldausteiler

Als sie reiches Mass

Und wie echte Herren

All der Glanz ist vergangen,

Nur Weichherz'ge blieben

Mit Mühsal zu walten.

Der Erde Edelschar

Wie der Männer jeder

Es fliegt Alter ihn an,

Es jammert der Greis,

Der Edeln Kind,

Nicht kann der Leichnam,

Des Geschmacks sich freu'n,

Noch die Hände rühren,

Mag ein Schutzherr auch

Und die Gräber ihnen

Und manchen Geschmieden:

sichere Kunde

wie in Mühsalstagen

oft erduldet,

bange ertragen.

viel Kummersitze,

Dort wartete mein

der Nachtwacht Angst,

von Kälte waren

vom Frost gebunden

der Kummer seufzte

und Hunger nagte

Die Mühsal kennt nicht,

mit Lust ergeht,

auf eiskalter See

bang gewandelt,

der Verwandten beraubt,

von Hagel umschauert.

die Hochflut tosen,

des Wildschwans Lied;

des Wasserhuhns Stimme.

beim Metgelage

und dem Sang der Möve,

und Staare schrieen

gar oft rief der Adler

 

Kein Freund war dort,

mir trösten konnte.

wer nur Glück und Wonne

und von Leid nichts weiss,

wie wegmüd' oft

ich weilen musste.

von Norden kam Hagel,

Flocken fielen

Und doch eifern nun

dass die hohen Ströme

ich selbst erkunde.

des Herzens Drang

dass ich fern von hinnen

Erbland suche.

kein Mann auf Erden,

so jugendkühn,

so teuer dem Herrn ---

er nicht sorgend frage,

beginnen möchte.

noch herrlichen Goldes,

noch der Welte Ergötzen,

nur des Ozeans Wogen.

wer zur See begehrt.

die Burgen sind schön,

die Welt erwacht:

dess Gemüt bereit ist,

und sich also sehnt,

auf Flutenwegen.

mit des Kummers Stimme;

Dorge schaffend,

Verborgen bleibt

was solche dulden,

ferne schweifen. ---

aus des Bewusstseins Hort,

mit Meeresfluten

weithin schweifend

kehrt eilig zurück

der Einsiedler gellt.

mein Wunsch mit Macht,

drum sind teurer mir

als das eitle Leben

Ich glaube nimmer,

ewig dauert.

.....................

Alter und Krankheit,

lässt zu Schanden werden

tüchtigen Recken.

dem einst beschieden

der Geleitworte bestes:

eh' hinweg er muss,

trotz der Feinde Neid,

dem Teufel entgegen,

künftig preisen,

ihm zur Ehre singen,

das ewige Glück

Hinschwand die Zeit,

des Erdenreiches.

auch Kaiser nimmer,

wie vor Jahren sie galten,

von Ruhm sich erkämpften

Ehre fanden.

der Jubel verstummt.

dieser Welt, die sie halten,

Die Macht ist zerronnen.

altert und welkt,

auf dem Mittelgarten:

sein Ansehen bleicht;

seinen Goldfreund weiss er,

in der Erde verscharrt.

wenn das Leben schwindet,

noch Schmerzen fühlen,

noch im Herzen denken,

die Geschied'nen bestatten

mit Gold bestreuen

solch' Mühn ist unnütz.

 

 

back to other versions

top